Wer putzt eigentlich im Sportverein?
Die Antwort lautete bei uns, zumindest bis Ende letzten Jahres, unsere Connie Mersching. Connie ist in meinen Augen eine Legende. So lange die meisten von uns zurückdenken können, war sie diejenige, die unser Mehrzweckgebäude sauber und ordentlich hielt. Die Vergütung, die sie dafür erhielt, war so gering, dass man es getrost als Ehrenamt bezeichnen kann. Letztes Jahr, nach Jahren stiller Hingabe, entschied Connie, den Mopp weiterzugeben. Aber weit weg ist sie nicht gegangen. Sie ist jetzt ein geschätztes Mitglied der Kiosk-Crew an Spieltagen. Immer noch ehrenamtlich. Immer noch dabei.
Seitdem bin das ich. Mindestens einmal pro Woche kehre und wische ich die Umkleidekabinen und putze die Toiletten. Mein Plan war, die Dinge ein paar Wochen lang am Laufen zu halten, bis die Toilettenrenovierung abgeschlossen ist. Mehrere andere Vereinsmitglieder haben hier angepackt um diese benötigte Renovierungsarbeit voranzutreiben. Diese Leute sind ebenfalls echte Helden, die hervorragende Arbeit leisten, aber wir haben den Zeitaufwand unterschätzt. Es ist Ende Mai. Die Renovierung läuft noch. Das Putzen auch.
Es geht auch nicht nur ums Putzen. Wer über unser Gelände geht, sieht die anderen Aufgaben, die sich still und leise ansammeln: Wege jäten, Dornengebüsche zurückschneiden, Müll sammeln. Das sind die Arbeiten, die auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung keinen Platz finden, die aber zusammengenommen darüber entscheiden, ob sich unser Verein wie ein Ort anfühlt, auf den wir stolz sind, oder einer, für den wir uns vor Gästen ein bisschen schämen.
Im Moment lastet all das auf den Schultern sehr weniger Menschen (ihr wisst wer ihr seid! Und Danke!). Das ist nicht tragbar, und es ist nicht fair.
Jetzt müssen wir eine Entscheidung treffen, und die hat ihren Preis.
Wir haben Angebote von professionellen Reinigungsunternehmen eingeholt. Eine Grundreinigung geht in den vierstelligen Bereich. Eine regelmäßige zweimal wöchentliche Reinigung kostet uns jährlich einen fünfstelligen Betrag. Zum Vergleich: Unsere gesamten Mitgliedsbeiträge belaufen sich auf rund 50.000 Euro, verteilt auf 600 Mitglieder. Wir würden also etwa ein Fünftel davon allein fürs Putzen ausgeben, ohne das Gelände überhaupt einzurechnen (und Tennis und Kegeln sind auch nicht im Angebot enthalten).
Professionelle Dienstleister zu beauftragen ist eine Option, die wir definitiv nicht vom Tisch nehmen sollten. Aber die Mitglieder sollten wissen, was das in der Praxis bedeutet: höhere Beiträge, Jahr für Jahr, für Arbeiten, die viele von uns selbst erledigen könnten. Und wenn schon keine höheren Beiträge, dann sicherlich auch keine Investitionen in die Art von wichtiger Infrastruktur, die unser Verein braucht und verdient (z.B. Mehrzweckplatz (Tennis), Kunstrasen (Fußball), Sanierung unseres Mehrzweckgebäudes …)
Diese Zahl hat mich innehalten lassen und eine größere Frage aufgeworfen: Was für ein Verein wollen wir sein?
Das Ehrenamt hat diesen Verein aufgebaut, und ich habe gesehen, was es bewirken kann.
Einige meiner schönsten Erinnerungen hier sind beim Ehrenamt entstanden. Einige meiner engsten Freundschaften wurden bei unspektakulären Arbeiten neben guten Menschen geschlossen (Platzpflege, Maulwurfsperre, Arbeitseinsätze). Einige meiner stolzesten Momente hatten nichts mit Sport zu tun. Sie entstanden dadurch, dass wir gemeinsam etwas aufgebaut haben.
Ich glaube, dass die meisten unserer 600 Mitglieder eine Verbindung zu diesem Verein spüren. Und ich glaube, dass viele von ihnen bereit wären, einen Beitrag zu leisten, wenn sie wüssten wie, und wenn es unkompliziert wäre. Ein Putzplan. Ein monatlicher Arbeitseinsatz. Eine Gartengruppe für Frühjahr und Herbst. Kleine, organisierte Einsätze von genug Menschen können zusammen etwas Bedeutendes ergeben.
Ich möchte noch etwas anderes ansprechen. In den letzten fünf Monaten war ich manchmal wirklich überrascht, sogar schockiert, darüber, wie manche Mitglieder und Gäste mit unseren Einrichtungen umgehen. Unser Vereinsheim verdient mehr. Wir verdienen mehr. Und selbst aktiv an der Pflege mitzuwirken ist, so glaube ich, einer der besten Wege, diese Kultur zu verändern.
Deshalb brauchen wir jetzt Eure Mithilfe.
Wir arbeiten gerade an einem Fünfjahresplan für unseren Verein, einem Plan, der nicht nur Reinigung und Instandhaltung umfasst, sondern die größeren Fragen: Wie wachsen wir? Worin investieren wir? Wie verteilen wir die Last fair auf alle Mitglieder? Die Entscheidungen, die wir im nächsten Jahr treffen, werden bestimmen, wie dieser Verein für die nächste Mitgliedergeneration aussieht.
Das sind genau die Fragen, die ein echtes Gespräch verdienen, keine Entscheidung, die einfach vom Vorstand verkündet wird. Also meldet euch. Sagt uns, was ihr denkt. Sagt uns, wozu ihr bereit wärt. Sagt uns, was für einen Verein ihr euch wünscht.
Ihr könnt mich direkt kontaktieren oder euch an jedes Mitglied des Vorstands wenden. Jede Nachricht wird gelesen und ernst genommen. Denn letztlich geht es nicht wirklich um Putzpläne oder Angebote von Reinigungsfirmen. Es geht darum, wer wir sind und was wir füreinander als Mitglieder desselben Vereins schulden.
Was für ein Verein wollen wir sein? Das entscheiden wir alle gemeinsam.
David Elsweiler (2. Vorstand)
P.S. Diese Fotos sind nur eine Auswahl von meinem Handy. Mir ist durchaus bewusst, dass viele andere nicht hier sind: Tennis und Kegeln haben ihre eigenen Helden; diejenigen, die die Terrasse am Platz A bauen, sind damit und mit vielen anderen Dingen beschäftigt; und die Radsportabteilung existiert nur dank viel Handarbeit und dem Einsatz von Baggern! Ganz zu schweigen von all den Trainer*innen, den ehrenamtlichen Helfer*innen bei Spielen, Festen usw.